Unabhängigkeitsbewegung in Katalunien

Als gebürtige Berlinerin erinnere ich mich sehr gut an den Mauerfall und das Verlangen nach Freiheit, das damals in der Luft hing.

Und jetzt, als aktives Mitglied der katalanischen Gesellschaft, darf ich dieses Gefühl nochmal miterleben. Was hätten die damaligen Bürger der DDR gesagt, wenn die BRD ihnen unterstellt hätten, sie würden nur ihre finanzielle Lage bessern wollen?

Katalonien ist ein demokratisches und freiheitsliebendes Land. Die Einwohner hier verteidigen ihre jahrhundertealte Kultur und Sprache mit mindestens der gleichen Vehemenz, mit dem sie sie ihr Recht auf Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit einfordern. Immer wieder lese ich in deutschen Medien, und auch in der Zeit, für die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens ist die Unabhängigkeit eine rein egoistische Angelegenheit. Aber was heisst denn heutzutage wirtschaftlich stärkste Region?

837 000 Menschen in Katalonien sind arbeitslos, unter den Jugendlichen sogar jeder zweite. Jeder fünfte Katalane ist arm und 104 000 Familien haben gar keine Einkünfte, das Rentenalter beginnt  ab 67 Jahren und täglich verlieren 102 Familien ihre Wohnung etc. Katalonien hat Sieben Millionen Einwohner, das spanische Wirtschaftssystem hat auch hier versagt.

Seit der Regierung Pujol (katalonischer Präsident 1980-2003) hat die Generalitat de Catalunya immer auf Solidarität mit ärmeren Regionen Spaniens gesetzt, um so Spanien von Innen zu modernisieren. Auch gegen widerstände in den eigenen Reihen, und aus der durchaus christlichen Überzeugung  zur Pflicht zur Nächstenliebe. An der Mentalität des ehemaligen Kolonialstaates hat das leider nichts geändert. Und so leben hier immer noch Kulturen erster und zweiter Klasse beisammen. Wobei Spanisch der ersten Klasse und alle anderen Sprachen und Kulturen (wir erinnern uns: Baskisch, Galizisch, Katalanisch) der zweiten Klasse angehören, die in Kolonialmentalität noch ‘missioniert’werden müssen. Um das zu verstehen, brauchen wir uns nur die neuesten Gesetzesbeschlüsse der Regierung PP anzusehen.

Europa ist für Katalonien keineswegs “die einfache Allianz”, wie Sie sagen. Auch hier werden Stimmen laut, die den Austritt aus der EU fordern. Die grosse Mehrheit aber sieht in Europa einen Garanten für Friede und Demokratie, und möchte deshalb in der Union bleiben. Denn darum geht es auch hier: um Friede und Demokratie. Und ja auch: um Wohlstand.

Das einzige Mittel, das Katalanen haben, um den Traum eines eigenen, emanzipierten Staates wahr zu machen, ist ihre Stimme. Und auf die sollten wir Europäer hören.

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